
Ssssssssss — leise erst ist es zu vernehmen, schwillt dann an, wird immer lauter. Ein faszinierendes Naturschauspiel: Nach ihrem Auszug aus dem Imkerhaus haben 15 Bienenschwärme einen Pflaumenbaum in der Nachbarschaft in Besitz genommen. 10.000 und mehr Bienen bilden allein schon einen Schwarm, mal 15 und die Luft ist erfüllt von Schwirren und Summen.
Diesen Honigbienen ist es in ihrer Behausung schlichtweg zu eng geworden und sie folgen dem Schwarmtrieb, um ihren Staat durch Teilung zu vermehren. Im Frühsommer ist die Bienenpopulation auf ihre jährliche Maximalzahl angewachsen. Es gibt mehr Ammenbienen, als Brut zu verpflegen ist. Dann beginnen die Arbeiterinnen, etwa ein Dutzend »Weiselzellen« zu errichten, in die die Königin jeweils ein Ei legt. Es entwickeln sich Larven, die ausschließlich mit dem hochwertigen Gelée Royal ernährt werden, einem Futtersaft, den die Ammenbienen produzieren. Die Larven wachsen schnell und schlüpfen am 16. Tag. Die erste wird die Königin eines neuen Stocks, die anderen werden gewaltsam entfernt.

Die alte Königin hat währenddessen die Eiablage für die normale Brut eingestellt und zwar nicht eine Wespen-, aber ihre Bienentaille zurück gewonnen. Damit ist sie auch wieder flugfähig. Bei gutem Wetter schwärmt exakt am neunten Tag nach der Eiablage vormittags zwischen 11 und 12 Uhr ein Teil des Bienenvolkes mit seiner Königin in einer riesigen Wolke aus dem Stock und sammelt sich als Schwarmtraube gerne in Zweigen und Ästen. Von hier aus werden zuerst einmal einige hundert Kundschafter, die Spurbienen, ausgeschickt, die eifrig eine neue Heimat suchen. Haben sie etwas Passendes entdeckt, kehren einige Spurbienen zurück und führen auf der Bienentraube den Schwänzeltanz auf, um mehr Kundschafter zum Flug zu animieren. War die Suche erfolglos, fliegt der ganze Schwarm gemeinsam weiter.
Die 15 Bienenvölker im Pflaumenbaum ließen sich von ihrem Imker überreden, mit einem leeren Bienenkasten vorlieb zu nehmen. Da weiß man schließlich, was man hat.